Texte, die in Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind

Texte
Diese Auswahl versammelt eine Reihe meiner Artikel, erschienen unter anderem im Magazin »kultur.west«, der »Neuen Zürcher Zeitung«, »Kunstforum International«, »Monopol« dem »boesner Kunstportal« und der »Rheinischen Post«. Kunst, Architektur und Design, Kultur und Geschichte bilden den Schwerpunkt.
Bis 2020 diente die Heilig-Geist-Kirche in Essen-Katernberg als katholisches Gotteshaus. Seitdem harrte der ikonische Bau von Gottfried Böhm einer neuen Nutzung. Nun macht ihn der Kunstraum Heilig Geist zu einem Ort der ästhetischen Andacht und des kulturellen Miteinanders. Der neue Ort, direkt am Bahnhof Essen Zollverein Nord gelegen und als Zwischenposten auf dem Weg zur vielbesuchten Zeche Zollverein ideal positioniert, ist vorläufig nur am Wochenende zugänglich; außerdem nach Vereinbarung. Natalia Taranta, künstlerische Leiterin, hat sich mit dem 2021 ins Leben gerufenen Architektur-Festival »Open House Essen« einen Namen gemacht. Auch den Kunstraum Heilig Geist will die polnische Kunstvermittlerin im Geiste eines »Offenen Hauses« führen. Ausstellungen, Workshops, Veranstaltungen und Begegnungen sind geplant, sowohl in der Kirche als auch in den benachbarten, ebenfalls von Böhm entworfenen Gebäuden.
Wer Kamalini Mukherjis lyrischen Song »Aguner poroshmoni« ohne Hintergrundwissen und Kenntnis der bengalischen Sprache hört, könnte zu dem Schluss gelangen, es handle sich um einen friedlich dahinplätschernden Wohlfühlsong. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Mit dem Musikvideo, der Neuinterpretation eines Klassikers von Rabindranath Tagore, reagierte die indische Sängerin auf ein tragisches Ereignis, das sich im August 2024 in einem Krankenhaus in Kolkata zutrug: Dort wurde eine Ärztin während ihrer Nachtschicht vergewaltigt und ermordet. Die in New York lebende Künstlerin produzierte ihr Protestvideo gemeinsam mit Musikerinnen der Duisburger Philharmoniker sowie mit Gastmusikerinnen. »Viele Menschen, die es angeschaut haben, waren zu Tränen gerührt«, sagt Kamalini Mukherji.
In ihren Ölbildern, gemalt auf Leinwand, Leinen oder Holz, vergegenwärtigt Melanie Loureiro mit handwerklicher Akribie und Liebe zum Detail das Leben der Pflanzen und der Insekten. Ihre Ausstellung im KIT – Kunst im Tunnel, direkt unter der Düsseldorfer Rheinuferpromenade gelegen, lässt sich charakterisieren als eine Art Hortus conclusus, der zwar auf Klimawandel und Artensterben reagiert, doch zugleich eben wegen der malerischen Intaktheit die Illusion eines noch unversehrten Ökosystems vermittelt. Ameisen, Bienen, Glühwürmchen, Raupen, Schmetterlinge, Spinnen, Motten oder Schnecken – solches Kleingetier kommt in den betörend schönen Bildern groß raus. Es ist, als ließe uns die Düsseldorfer Künstlerin durch ein Mikroskop schauen, um uns die Augen zu öffnen für die unglaubliche Opulenz und Vielfalt, die unserem herkömmlichen Blick auf die Natur oft entgeht.
Der US-Choreograf – durch seine Gastprofessur »Zeitgenössischer Tanz« mit Essen verbunden – zitiert mit seiner Langzeit-Performance »Lunar Cycle« im Museum Folkwang in Essen einen grundlegenden Zyklus der Natur und verweist auf den Klimawandel. Tanz, Licht, Nebelskulpturen, Sound, Musik und die Visualisierung von Wetterdaten fügen sich zu einer Choreografie, die den Mondphasen nachempfunden ist. Ein überaus ambitioniertes Programm, wie es typisch ist für den 57-jährigen Tänzer und Choreografen. Andere greifen nach den Sternen – Richard Siegal begnügt sich mit dem Mond, lässt aber jene Gefilde, die herkömmlicherweise mit Tanz assoziiert werden, gleichwohl Lichtjahre hinter sich.
Sechs Kulturinstitutionen haben sich zusammengetan, um »Alma Mahler-Werfel im Spiegel der Wiener Moderne« zu feiern – und kritisch zu hinterfragen. Die konzertierte Aktion an verschiedenen Orten in Essen umfasst vom 20. März bis 22. Juni Konzerte, Symposien, eine Ausstellung mit Werken von Oskar Kokoschka sowie zeitgenössische Alma-Annäherungen von Studierenden der Folkwang Universität der Künste. Mit Schauspiel, Physical Theatre, Performance, Tanz und Gesang wollen sie die Besonderheiten und Widersprüche ihrer Persönlichkeit reflektieren – Rassismus und Antisemitismus, Flucht und Exil finden dabei besondere Berücksichtigung.
Hamburg, Lüneburg, Bregenz, New York, Basel, Düsseldorf, Aachen – die Stationen, die Eva Birkenstock im Laufe ihrer Karriere durchlaufen hat, können als Musterbeispiel für berufliche Mobilität und Lust auf neue Herausforderungen dienen. Seit 2021 ist die Kunsthistorikerin (Jahrgang 1978) Direktorin am Ludwig Forum Aachen. Mit der Kestner Gesellschaft in Hannover übernimmt sie zum 1. August erneut die Leitung eines Kunstvereins. »Vom Profil her eher eine Kunsthalle«, erläutert Eva Birkenstock. »Sie verfügt über keine eigene Sammlung, ist aber weltweit bekannt für herausragende Einzelausstellungen von etablierten, international renommierten Künstler*innen. Fraglos ein legendäres Haus!«
Das barbarische Verbrechen an einer indischen Ärztin brachte Kamalini Mukherji auf die Barrikaden. Gemeinsam mit einem weiblichen Ensemble der Duisburger Philharmoniker hat die Sängerin ein Musikvideo produziert, das der Gewalttat die nachhaltige Kraft der Kunst entgegensetzt. Sie wählte ein traditionelles Lied des bengalischen Dichters, Philosophen und Komponisten Rabindranath Tagore: »Aguner poroshmoni«, so lautet der Titel des eindringlichen Sechs-Minuten-Videos. Anders als man es bei einem solchen Song erwarten würde, setzt »Aguner poroshmoni« nicht auf laute Töne. Ein stiller Protest, glaubt Kamalini Mukherji, ist wirkungsvoller – jedenfalls dann, wenn er mit einer kraftvollen und nachhaltigen künstlerischen Botschaft gepaart ist.