Architektur-Ausstellung an der Hansaallee Düsseldorf. Farbe ist manchmal unberechenbar

Erschienen in: {mb_texte_texte_erschienen-in} | 7. Juni 2024
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Die Farbigkeit von Gebäuden findet in der Regel nur Beachtung, wenn kecke Töne die herkömmliche neutrale Palette aufmischen. Eine Düsseldorfer Ausstellung des Vereins Baukultur NRW hält dagegen: Hier ist Farbe in allen Abstufungen Trumpf. „380–780 nm. Farbe in Architektur und Stadt“, so lautet der Titel der Schau, die der Kölner Architekt und Ausstellungsmacher Martin Sinken als Kurator in Szene gesetzt hat. Er präsentiert unter anderem Gebäude oder ganze Stadtteile, deren dezidierte Farbgebung einen Prozess in Gang brachte: Manchmal eine Wendung zum Guten, wenn dort, wo zuvor monochrome Betonödnis herrschte, bunte urbane Vielfalt sprießt. Meist jedoch einen Konflikt, weil Anwohner oder Verwaltungen mit Unmut auf das Facelifting der Häuserwand reagieren.

Sportliche Herausforderung: Andreas Slominskis Ausstellung »Wohnorte gegen Geburtsorte« im Museum Folkwang

Erschienen in: {mb_texte_texte_erschienen-in} | 28. Mai 2024
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Als flankierende Maßnahme der Fußball-EM will Andreas Slominski im Stadion von Rot-Weiss Essen das gesamte Spielfeld als Bildträger einer »Kreidezeichnung« in Beschlag nehmen. Damit dieses Stück Land Art Realität wird, müssten allerdings 154 Säcke (à 25 Kilogramm) herbeigeschafft werden. Eine sportliche Herausforderung – selbst für einen wie Slominski, der beinahe schon routiniert Unmögliches möglich macht. Sollte die Stadion-Utopie in der Abseitsfalle landen, winkt Trost im Museumsshop des Essener Museum Folkwang: Dort kann man als Souvenir handliche Tütchen mit »Elfmeterkreide« von Andreas Slominski erwerben. Außerdem zeigt das Museum dessen Plakatserie »Wohnorte gegen Geburtsorte«, von Slominski autorisiertes »EM-Brot« sowie ein Fußballtor, das der Künstler in einem der kleinen Lichthöfe aufgestellt hat.

Geheimtipp. Ausstellung »Das Ende der Mythen« im Käthe Kollwitz Museum in Koekelare

Erschienen in: {mb_texte_texte_erschienen-in} | 26. Mai 2024
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Im belgischen Käthe Kollwitz Museum erinnern fünf Künstler aus Halle und Quedlinburg an die mörderische Schlacht von Verdun. Zugleich versteht sich die Schau »Das Ende der Mythen« als Beitrag zum zehnjährigen Bestehen des Museums in Koekelare. Das Haus am Sint Maartensplein 15 präsentiert Werke der Kollwitz, bringt sie mit zeitgenössischer Kunst in Verbindung und legt ein besonderes Augenmerk auf ihren Sohn Peter. Er starb in der Ersten Flandernschlacht, die im Oktober und November 1914 zwischen deutschen und alliierten Truppen in der Region der belgischen Kanalküste ausgetragen wurde. Peter Kollwitz, der schon am ersten Tag seines Fronteinsatzes fiel, ist in der Nähe von Koekelare begraben, auf dem deutsche Soldatenfriedhof Vladslo.

NRW-Akademie. Aufbruchstimmung in der Fotokunst

Erschienen in: {mb_texte_texte_erschienen-in} | 24. Mai 2024
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Die Jahresausstellung der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, beheimatet in Düsseldorf, beschäftigt sich mit Grenzüberschreitungen im Revier der Fotografie. Die 27 Künstler, die der Kurator Steffen Siegel zu seiner Ausstellung »Leap of faith: Transmediale Fotografie« eingeladen hat, erschließen neue Wege, fotografisch zu arbeiten. Mikroskopischen Nahaufnahmen, computertomografischen Scans, ausrangierten Dias oder Fotopapierabfall – solchen Phänomenen begegnet man bei diesem »Sprung ins Ungewisse«.

Fotograf Dirk Reinartz. Heiter und totenstill

Erschienen in: {mb_texte_texte_erschienen-in} | 22. Mai 2024
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Drei Institutionen haben sich zusammengetan, um zum 20. Todestag von Dirk Reinartz eine fulminante Retrospektive auf die Beine zu stellen. Die Schau im LVR-LandesMuseum Bonn, mitorganisiert von der Deutschen Fotothek Dresden und der Stiftung Gundlach Hamburg, feiert einen großartigen Bildjournalisten und einen Beobachter mit untrüglichem Blick fürs Detail. Vielleicht der eindrucksvollste, jedenfalls aber der wichtigste Part der Schau gilt der Werkgruppe »totenstill« (1994). In menschenleeren Schwarzweiß-Aufnahmen dokumentierte Reinartz über einen Zeitraum von fast zwei Jahren die baulichen Überbleibsel von Nazi-Konzentrationslagern. Obwohl – oder weil? – die kleinformatigen Bilder auf Schockästhetik und vordergründige Effekte verzichten, bohren sie sich förmlich in die Erinnerung.

Solide auf Sand gebaut

Erschienen in: {mb_texte_texte_erschienen-in} | 15. Mai 2024
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Neun Orte an der belgischen Küste, freier Blick aufs Meer, neue Perspektiven auf die Kunst – Beaufort24 lädt ein, dort Gegenwartskunst zu entdecken, wo andere Urlaub machen. Zwei Eigenschaften vor allem braucht, wer Großausstellungen wie die Biennale in Venedig oder die documenta in Kassel bewältigen will: Spaß an der Kunst und gute Kondition. Als noch nützlicher erweist sich diese Kombination, wenn man die Beaufort-Triennale am Meer erkunden will. Hier nämlich erstreckt sich das Terrain der zeitgenössischen Kunst im öffentlichen Raum über die gesamte belgische Nordseeküste – immerhin 65 Kilometer. Rekordverdächtig, was den Radius einer Kunstausstellung angeht. Neun Orte machen mit bei der Triennale, die bis Anfang November Werke von 18 Künstlernn unter dem Motto »Fabric of Life« vereint.

Ende der Mystifizierung. Das Bauhaus und die Nazis

Erschienen in: {mb_texte_texte_erschienen-in} | 15. Mai 2024
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Dass es zwischen Bauhaus und Nationalsozialismus mehr Berührungspunkte gibt als gemeinhin angenommen, belegt eine fulminante Ausstellung der Klassik Stiftung Weimar. Mit 450 Kunst- und Designobjekten sowie der Rekonstruktion von rund 60 Bauhaus-Biographien beleuchtet sie beispielhaft das Verhältnis von Moderne und Diktatur. Das weite Feld zwischen Opposition und Adaption im NS-Staat erkundet die immens materialreiche Ausstellung in drei Teilen, präsentiert im Museum Neues Weimar, im Bauhaus-Museum Weimar und im Schiller-Museum.

Triennalen in Belgien. Brügge sehen und staunen

Erschienen in: {mb_texte_texte_erschienen-in} | 13. Mai 2024
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In Brügge bereichern zeitgenössische Kunst und Architektur das UNESCO-Weltkulturerbe. Für die vierte Ausgabe der Triennale Brügge haben zwölf Künstler, Architekten und Architekturbüros ortsbezogene Projekte realisiert. »Spaces of Possibility«, so lautet das Motto der bis zum 1. September laufenden Open-Air-Ausstellung. Derweil lädt die nahegelegene Nordseeküste dank Beaufort24 zur Strandpartie mit Kunst im öffentlichen Raum. International renommierte Kunstschaffende wie Alexandra Bircken, Richard Deacon oder Monika Sosnowska sind ebenso mit von der Partie wie belgische Künstler, die vornehmlich im eigenen Land bekannt sind.

Im Labyrinth der Wirklichkeit. Zwei Ausstellungen in Brüssel feiern den 100. Geburtstag des Surrealismus

Erschienen in: {mb_texte_texte_erschienen-in} | 8. Mai 2024
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1924 veröffentlichte André Breton in Paris das »Manifeste du Surréalisme«. Die Geburtsstunde einer Bewegung, die weit über Frankreich hinauswirkte, die kosmopolitisch war. So macht es Sinn, dass Belgien, Heimatland von René Magritte, beim Surrealismus-Jubiläum Flagge zeigt. Stand die Brüsseler Kunstmesse BRAFA bereits im Zeichen des Surrealismus-Jubiläums, so läuft die zentrale Jubiläumsausstellung bis Juli in den Königlichen Museen der Schönen Künste Belgiens (RMFAB). Im Anschluss ist »Imagine! 100 Jahre internationaler Surrealismus« in abgewandelter Form in Paris, Madrid, Hamburg und Philadelphia zu sehen. Parallel widmet sich das nahegelegene Palais des Beaux-Arts de Bruxelles, kurz BOZAR, unter dem Titel »Histoire de ne pas rire« dem belgischen Surrealismus. Der hat eine solche Hommage allemal verdient.

Kunst aus alten Fußballplakaten

Erschienen in: {mb_texte_texte_erschienen-in} | 30. April 2024
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Bis zum 14. Juli zeigt das Essener Museum Folkwang die Ausstellung »Andreas Slominski. Wohnorte gegen Geburtsorte«. Der Künstler und Fußballfan hat zahlreiche Fußballspiele der 1980er-Jahre – einst kaum beachtet, inzwischen längst vergessen – in einer Plakatserie verewigt. Von Aachen bis Worms reicht das geographische Spektrum des Zyklus‘. Ein typischer Slominski, der zwischen Scherz, Ironie und tieferer Bedeutung changiert. Der Künstler hat eine Vorliebe für dadaistische Schelmenstücke: Seine oft absurden Projekte verwirklicht er mit einem Pragmatismus, der jedem Handwerksmeister zur Ehre gereichen würde. Die Ausstellung ist Teil des Kunst- und Kulturprogramms »Vom Fußball berührt«, das die UEFA EURO 2024 in Deutschland begleitet.