Texte, die in Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind

Jörg Restorff | Foto: Ute Gabriel

Texte

Diese Auswahl versammelt eine Reihe meiner Artikel, erschienen unter anderem im Magazin »kultur.west«, der »Neuen Zürcher Zeitung«, »Kunstforum International«, »Monopol« dem »boesner Kunstportal« und der »Rheinischen Post«. Kunst, Architektur und Design, Kultur und Geschichte bilden den Schwerpunkt.

Neue Blicke auf vertrautes Terrain. Erweiterte Weltsichten (Kunstforum International, 5. Februar 2026)

Mit der Sonderschau erweitert das Bochum Museum unter Tage von Situation Kunst (für Max Imdahl) die Dauerausstellung „Weltsichten“, die in direkter Nachbarschaft gezeigt wird. Beim Rundgang kann man hervorragend nachvollziehen, wie die Natur, aber auch Landschaften, die auf urbanem Territorium verortet sind, durch die Jahrhunderte im Spiegel der Kunst neue Gestaltung erfahren haben.

Kunstsammlung auf Tournee: Julia Stoschek ist zu Gast in Los Angeles (Rheinische Post, 3. Februar 2026)

Der Eintritt ist frei, Popcorn gibt es gratis. Auch die Öffnungszeiten (17 Uhr bis Mitternacht) entsprechen nicht eben musealen Gepflogenheiten. In der Tat sprengt das »Audiovisual Poem«, das vom 6. Februar bis 20. März im Variety Arts Theater von Los Angeles stattfindet, den Rahmen eines herkömmlichen Ausstellungserlebnisses. Einst traten hier Laurel und Hardy oder Buster Keaton auf. Jetzt gehen in dem verwaisten Palazzo Klassiker des Hollywood-Kinos mit zeitgenössischer Videokunst aus der Julia Stoschek Foundation eine ungewöhnliche Liaison ein. White Cube trifft Black Box – Regisseur dieser ungewöhnlichen filmischen Allianz ist Udo Kittelmann. In der »Rheinischen Post« habe ich über das Crossover-Format berichtet – übrigens die erste umfassende Präsentation der Stoschek Foundation in den USA.

Die Welt als Maske und Mummenschanz (kultur.west, 3. Februar 2026)

Wer Maske und Malerei sagt, muss James Ensor sagen. Der belgische Symbolist (1860–1949) hat die Maskerade zu seinem Markenzeichen gemacht. Momentan zeigt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck seine Werke im Kontext der Schau »Seelenlandschaften«. Präsentiert werden die Bilder von Ensor in Remagen zusammen mit Beispielen der belgischen und französischen Malerei und Skulptur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Dabei rekrutieren sich die Exponate zum einen aus der Antwerpener Sammlung The Phoebus Foundation, zum anderen aus der Kollektion von Gustav Rau – der Arzt, gestorben 2002, hatte seine Sammlung der Organisation Unicef vermacht, die das Konvolut als Dauerleihgabe an das Arp Museum weiterreichte.

Fummeln erwünscht (kultur.west, 2. Februar 2026)

Mit seinen »Kaufhaus-Objekten« nahm er die Konsumwelt spielerisch aufs Korn und ermunterte das Publikum zur Mitwirkung. Rolf Glasmeier wollte seine Liebe zur Kunst mit möglichst vielen teilen. Das Kunstmuseum Gelsenkirchen widmet dem frühverstorbenen Künstler (1945–2003) eine Einzelausstellung, die noch bis zum 8. März zu sehen ist. Eine längst überfällige Retrospektive, die den Blick auf das Werk des Künstlers, Typografen und Plakatgestalters lenkt. Nicht zuletzt als Strippenzieher darf Glasmeier eine Schlüsselposition in der Kunstszene des Ruhrgebiets beanspruchen – vor allem in den sechziger und siebziger Jahren. In und von Gelsenkirchen aus organisierte der notorische Netzwerker mehr als 350 Ausstellungen, mit denen er andere Kunstschaffende ins Rampenlicht rückte – nicht eben typisch für Künstler, deren Ambitionen sich häufig auf die eigene Karriere konzentrieren. »Rolf Glasmeier«, erinnert sich sein Bruder Michael, »war ein absoluter Kommunikator, eine Wohltat für Gelsenkirchen.«

Ausstellung »Natur und deutsche Geschichte« in Berlin: Erhellendes Sammelsurium (Rheinische Post, 8. Januar 2026)

Wie natürlich ist unser Naturverständnis? Danach fragt das Deutsche Historische Museum in Berlin mit seiner Ausstellung »Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie – Macht«. Die kulturhistorische Schau erkundet ein immenses Terrain und wartet mit manchem Kuriosum auf.

Immer der Nase nach! Eine Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast kreiert ungewöhnliche Riecherlebnisse und legt Duftspuren zur Kunst (Neue Zürcher Zeitung, 8. Januar 2026)

Wie riecht Waschpulver? Dazu hat wohl jeder zumindest eine Assoziation parat. Ähnlich verhält es sich mit dem Aroma des Waldes. Wonach aber riecht der Krieg? Mangels eigener Erfahrung müssen die meisten hierauf eine Antwort schuldig bleiben. Noch vertrackter die Frage, welche Düfte zur Malerei des Expressionismus passen. Auf den ersten Blick scheint eine solche Erkundigung abwegig. Schließlich appelliert die Malerei an die Augen, nicht an die Nase. Gerade diese Paradoxie aber macht den Reiz einer ungewöhnlichen Ausstellung aus, die derzeit im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen und zu riechen ist. »Die geheime Macht der Düfte«, so hat der für das Konzept verantwortliche Kölner Duftdesigner Robert Müller-Grünow sein Experiment mit der Dauerausstellung genannt. Für die »Neue Zürcher Zeitung« habe ich eine Schnuppertour durch die Präsentation unternommen.

Helden der Arbeit, Opfer der Industrialisierung (Kunst+Material, 7. Januar 2026)

In dem Moment, wo Künstliche Intelligenz und Robotik verheißungsvoll und bedrohlich zugleich an die Tür der Erwerbswelt pochen (oder sich schon Einlass verschafft haben), scheint das Thema »Arbeit und Kunst« brisanter denn je. Das unterstreicht nun eine Ausstellung im LVR-Landesmuseum in Bonn. »Schöne neue Arbeitswelt. Traum und Trauma der Moderne« lautet der Titel der Schau, die ein Panorama am Puls der Industriegesellschaft entwirft. Auf die Umwälzungen, die sich zwischen 1890 und 1940 in der Arbeitswelt vollzogen, haben Künstlerinnen und Künstler damals seismografisch reagiert – manche voller Euphorie, die meisten jedoch kritisch gegenüber einer Entwicklung, die den Menschen zum Untergebenen der Maschine degradierte.