Die Fotografin Germaine Krull (1897–1985), der das Museum Folkwang in Essen eine hervorragende Retrospektive widmet, war beinahe pausenlos unterwegs. So erscheint es jedenfalls aus der Rückschau, blickt man auf das abenteuerliche Leben der Kosmopolitin. Dem Staccato ihrer Biografie korrespondieren die motivische Vielfalt und Experimentierlust der Bilder. Legendär ihr Mappenwerk »Métal« (1928), in dem die Technik-Enthusiastin das stählerne Maschinenzeitalter verherrlicht. Die Fotografie war Germaine Krulls Standbein – ihre Aktivitäten als politische Journalistin und als Schriftstellerin wären mit dem Wort »Spielbein« jedoch unzureichend charakterisiert. Die Essener Ausstellung berücksichtigt beides. Gleichrangig neben die rund 300 Fotografien tritt das literarische Schaffen, präsentiert in Form von Zitaten, Texten und anderen Dokumenten.
Ausstellung zu Germaine Krull in Essen: Ein Künstlerdasein auf der Überholspur
Link zur OriginalveröffentlichungSotheby’s-Auktionen in New York: Ein Silberstreif am Goldhorizont
Link zur OriginalveröffentlichungDie jüngsten Rekordergebnisse bei den Sotheby’s-Herbstversteigerungen nähren die Hoffnung, dass der kriselnde Kunstmarkt wieder anzieht. Zwischen Klimt und Kahlo klafft jedoch ein tiefer genderspezifischer Gap.
Befremdliche Präsenz
Link zur Originalveröffentlichung»Nicht von Menschenhand« heißt eine Einzelausstellung, die das Museum Schloss Cappenberg in Selm dem Hyperrealisten Konrad Klapheck widmet. Bekannt wurde er durch seine »Maschinenbilder«, denen freilich nichts Maschinelles anhaftet.
Zurück in die Zukunft
Link zur OriginalveröffentlichungIm kommenden Jahr feiert das städtische Museum Morsbroich in Leverkusen das 75-jährige Bestehen. Als Prolog des Jubiläums zeigt die aktuelle Sonderausstellung »the good in the pot, the bad in the crop. The Storage | Die Sammlung« kaum bekannte Schätze aus dem Magazin. »Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen«, die Redewendung, der die Kuratorin Thekla Zell einen anglophilen Anstrich verpasst hat, stammt aus dem Märchen »Aschenputtel«. Sie zielt auf einen Ausleseprozess, bei dem Gutes von Schlechtem, Wertvolles von Wertlosem getrennt wird. Die Ausstellung will das Gegenteil bewirken: In elf Kapiteln werden hier VIP-Künstler wie Joseph Beuys, Gerhard Richter oder Wolf Vostell auf gleicher Augenhöhe gezeigt wie Kunstschaffende, die nur noch Insidern ein Begriff sind.
Ein Evergreen seit dem Sündenfall: Ausstellung »Schöne neue Arbeitswelt. Traum und Trauma der Moderne«
Link zur OriginalveröffentlichungEine Sonderausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn untersucht, wie die Moderne in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf den drastischen Wandel in der Arbeitswelt reagierte. Zwischen utopischen Hoffnungen und düsteren Visionen entfaltet sich ein Panorama am Puls der Industriegesellschaft.
Charlotte Zander: Grande Dame der Naiven Kunst
Link zur OriginalveröffentlichungBei der Art Cologne 2025 wurde der rote Teppich für Charlotte Zander ausgerollt: Eine Sonderausstellung des Zentralarchivs für deutsche und internationale Kunstmarktforschung am Stand des ZADIK (Halle 11.1, Stand D-19) würdigte die Sammlerin, Galeristin und Museumsgründerin (1930–2014) als engagierte Fürsprecherin der Outsider Art. Im ZADIK-Domizil im Kölner Mediapark kann man die materialreiche Ausstellung noch bis September 2026 besuchen.
Charlotte Zander war eine Brückenbauerin. Ihr Anliegen: jenen Sonderlingen und Eigenbrötlern, die im Kunstbetrieb – und oft auch in der Gesellschaft – eine Außenseiterposition einnehmen, einen prominenteren Platz inmitten der Kunsthierarchie zu sichern. In gewisser Weise führte sie damit fort, was schon viele Künstler der Moderne umgetrieben hatte: Auf der Suche nach ursprünglichen Bildwelten ließen sie sich im frühen 20. Jahrhundert inspirieren von außereuropäischen Kunstwerken, der Malerei von Kindern, psychisch Kranken oder den Hervorbringungen von Autodidakten.
»Let's Talk About Feelings«: Leif Randt wandelt auf den Spuren von Andy Warhol
Link zur OriginalveröffentlichungDer 42-Jährige zählt zu den originellsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur. In der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland sprach der Schriftsteller über sein neues Buch „Let’s Talk About Feelings“. In 14 Etappen, örtlich festgezurrt zwischen Berlin, Japan, Rügen, Neu-Delhi und Wolfsburg, vergegenwärtigt Leif Randt die Leichtigkeit des Seins aus der Sicht der Berliner Kreativszene, die er als Insider treffsicher charakterisiert. Weil ein Fashionista der Held des Romans ist, verwundert es nicht, dass Mode eine prominente Rolle spielt.
Hans-Peter Feldmann: »Kunstausstellung«, Kunstpalast, Düsseldorf
Link zur OriginalveröffentlichungWer den Düsseldorfer Ehrenhof betritt, um im Kunstpalast die aktuelle Ausstellung zu Hans-Peter Feldmann zu besuchen, wird mit einem Crash-Szenario konfrontiert: Ein Auto, das auf dem Dach liegt, mutet an wie das Relikt eines Verkehrsunfalls. Tatsächlich aber befindet sich das Fahrzeug, abgesehen von seinem Kopfstand, in einem tadellosen Zustand. Kein Wunder, handelt es sich hier doch nicht um ein Unfallauto, sondern um ein Sinnbild für das Werk des Düsseldorfer Künstlers (1941–2023) – und das aus mehreren Gründen.
Mit dem PKW bezieht sich die Kuratorin Felicity Korn auf eine Installation, die Feldmann 2010 bei der Londoner Kunstmesse Frieze zeigte. Vor dem Messezelt ließ er ein Auto in verkehrter Stellung als Außenskulptur parken. Ein Überraschungscoup, der es jedem auch ohne Frieze-Ticket ermöglichte, an der Gegenwartskunst teilzuhaben. Für Feldmann, der sich die Demokratisierung der Kunst auf die Fahnen geschrieben hatte, ein zentrales Anliegen. Zudem verweist das um 180 Grad gedrehte Auto, platziert neben dem Eingang zur Düsseldorfer »Kunstausstellung«, auf das Konzept eines originellen Geistes, der die Welt der Kunst in der Tat auf den Kopf gestellt hat. Oberste Priorität hatte für Feldmann die Liebe zu Bildern jeglicher Couleur – ästhetische oder kunsthistorische Aspekte erscheinen dagegen zweitrangig.
Mehr als Männerfreundschaft: Ausstellung »Fünf Freunde« im Kölner Museum Ludwig
Link zur OriginalveröffentlichungFans von Enid Blyton müssen umdenken. Die »Fünf Freunde« heißen jetzt John, Merce, Jasper, Robert und Cy. Wer die Kult-Kinderbücher in jungen Jahren verschlang, hatte andere Namen auf dem Zettel. Nicht die einzige Metamorphose: Die Schatzsuche findet nicht auf einer Felseninsel statt, sondern im Kölner Museum Ludwig. Dessen neue Sonderausstellung »Fünf Freunde« bringt ein Quintett zusammen, das sich in der Kunst und im Leben wechselseitig inspiriert hat. Die Rede ist von John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Cy Twombly. Prägende Persönlichkeiten der Nachkriegskunst sind es, für die Yilmaz Dziewior und Achim Hochdörfer, Kuratoren der Schau, ein imaginäres Rendezvous der Freunde arrangiert haben. Die Ausstellung, die zuvor im Münchner Museum Brandhorst zu sehen war, vereint Werke von fünf Grenzgängern. Obwohl keine Künstlergruppe im klassischen Sinn, lassen sich zwischen den Weggefährten im Geiste eine Reihe von Parallelen feststellen. Alle erlebten im Jahr 1958 ihren internationalen Durchbruch. Alle schrieben in den fünfziger und sechziger Jahren als Schlüsselfiguren der Avantgarde Kunstgeschichte. Und alle verband – in wechselnden Konstellationen – eine Beziehung, die mehr als Männerfreundschaft war.
Späte Gerechtigkeit: „Künstlerinnen!“ im Kunstpalast Düsseldorf
Link zur OriginalveröffentlichungGabriele Münter empfand den Kunstunterricht in Düsseldorf als »enttäuschend öde«. Andere weibliche Kunstschaffende, die es im 19. Jahrhundert in beachtlicher Zahl aus dem In- und Ausland an den Niederrhein zog, reagierten deutlich enthusiastischer. Mit einer akribisch recherchierten Ausstellung rekapituliert der Kunstpalast, welche Künstlerinnen zwischen 1819 und 1919 in Düsseldorf tätig waren. Dabei kann die Kuratorin Kathrin DuBois mit zahlreichen Neuentdeckungen aufwarten. Die Schau konzentriert sich auf 31 Künstlerinnen, deren Schaffen herausragt. Der Titel »Von Monjé bis Münter« wirft ein Schlaglicht auf das erhebliche stilistische Gefälle im Schaffen der Beteiligten. Schwelgt Paula Monjés »Deutsches Volksfest im 16. Jahrhundert« (1883) in prächtig herausgeputzter, kulissenartiger Historienmalerei, so zeugen die in der Ausstellung vertretenen Landschaften und Porträts von Gabriele Münter vom Einzug der Moderne in der Malerei.